Zur Geschichte des Instituts für Hochfrequenztechnik

Das Institut für Hochfrequenztechnik der RWTH blickt auf eine über sechzigjährige Geschichte zurück. Viele Absolventen der TH, die mit dem Institut in irgendeiner Weise zu tun hatten, erinnern sich sicherlich gerne an ihre Tätigkeit dort, als Diplom- oder Studienarbeiter, als Doktorand oder Assistent. Gleiches gilt für die zahlreichen Mitarbeiter aus den technischen Bereichen und der Verwaltung des Instituts, die über die vielen Jahre den Betrieb aufrechterhalten haben. Eine Reihe wichtiger Forschungsergebnisse entstand in der Zeit. Aus diesen Gründen (und nach mehrfacher Aufforderung ehemaliger Assistenten des Instituts und jetziger Kollegen der Hochfrequenztechnik) habe ich mich damit befasst und zusammengestellt, was dokumentiert sein sollte. Hierbei waren die vorhandenen Unterlagen meiner beiden Vorgänger (Döring und Schmitt) sehr hilfreich. Einen besonderen Dank gilt Herrn Dr.-Ing. Kupferschmidt für die Sichtung und Bereitstellung zahlreicher Fotos und anderer Unterlagen aus der Institutsgeschichte. Die meisten nur in Papier vorliegenden Quellen wurden mit OCR gescannt und können dank Hypertext direkt im Rahmen dieses Dokuments gelesen werden.

Wie an anderen Hochschulen auch, war die Hochfrequenztechnik zunächst eine Domäne der Physik. Heinrich Hertz, Guglielmo Marconi und James Clerk Maxwell haben ihre Arbeit getan, ohne je ein HF-Studium genossen zu haben. Wenn man sich mit der Geschichte der HF-Technik befassen will, muss man deshalb zunächst die Vorgeschichte darstellen, die bereits im 19. Jahrhundert begann. Vorlesungen zur Elektrotechnik und insbesondere zu hochfrequenztechnischen Themen boten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Fakultäten der Naturwissenschaften und des Maschinenwesens an. In Aachen entstand die Fakultät für Elektrotechnik erst am 17.3.1961 (erweitert ab 20.5.1999: Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik). Hochfrequenztechnik im inhaltlichen Sinne wurde aber schon weit vorher gelehrt und erforscht.

Die Bedeutung der HF lässt sich auch dran erkennen, dass das Institut in den sechzig Jahren seine Bezeichnung behalten hat, obwohl natürlich inzwischen viele andere Institute und Lehrstühle HF-Technik betreiben und auch weiterentwickeln.

 

B.Rembold
Aachen, Mai 2011

Zur Vorgeschichte der HF-Technik an der RWTH Aachen

Walter Größer

Zu Beginn der ''Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule zu Aachen'' 1870 standen hochfrequenztechnische Interessen nicht im Vordergrund, obwohl bereits Ausbreitungsprobleme bei den Telegraphenleitungen und auch bei der Parallelschaltung von Generatoren über größere Entfernungen auftraten. Die sich etablierende Elektrotechnik befasste sich mit der Stromerzeugung und seinem Transport. Es ging um Beleuchtung und um Ersatz der stationären Dampfmaschinen durch Elektromotoren. Ein erster Lehrstuhl für Elektrotechnik wurde deshalb – nicht wie von dem Experimentalphysiker Adolph Wüllner (1835-1908) vorgeschlagen in der Physik (''Allgemeine Abteilung'') – sondern in der ''Maschinenbau-Abteilung'' angesiedelt. Erster Lehrstuhlinhaber ab 1886 war Otto Grotrian (1847-1921). Neben elektrotechnischen Grundlagen bot er auch eine Vorlesung über die ''Physikalische Grundlage der elektrischen Telegraphie'' an. Grotrian hielt seine Vorlesungen bis 1919.

Sein Nachfolger war Walter Rogowski (1881-1947), Ordentlicher Professor für Theoretische Elektrotechnik ab 1920 und Namensgeber für das nun unter Denkmalschutz stehende Gebäude auf der Schinkelstraße. Rogowski, der besonders auf fundierte mathematisch-physikalische Grundlagen Wert legte, war wohl der Wegbereiter für die Hochfrequenztechnik in Aachen. Arbeitsgebiete (speziell im HF-Bereich) waren: Stromverdrängung in Leitern, Einschwing- und Einschaltvorgänge, Wanderwellen auf Leitungen, Verbesserung der HF-Messtechnik insbesondere der Kathodenstrahl-Oszillographen, Linearbeschleuniger mit HF-Einspeisung, Anwendung von Kathodenröhren in Verstärkern und Sendern u.a. Die Behandlung elektromagnetischer Felder auf der Basis der Maxwellschen Theorie war ab 1922 Gegenstand einer dreistündigen Vorlesung.

Weitere Verstärkung fand die Hochfrequenztechnik ab Sommer 1925 durch Walter Größer (1882-1987). Größer übernahm zunächst vertretungsweise die Ausbildung im Fach ''Praktische Telegraphie und Telephonie'', war dann ab 1928 Privatdozent für ''Theoretische Elektrotechnik'' im Rahmen eines besoldeten Lehrauftrages und erhielt 1938 eine Außerordentliche Professur für ''Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik'' (Hier erscheint der Begriff Hochfrequenztechnik zum ersten Mal in einer Lehrstuhlbeschreibung). Neben Vorlesungen zu den Grundlagen der HF-Technik befasste er sich mit der drahtgebundenen und drahtlosen Übertragung und bot eine Vorlesung über Röhren an. Der Rüstungsbedarf des Dritten Reichs auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik ging auch an der RWTH nicht vorbei. Größer befasste sich mit der Radartechnik (damals Funkmesstechnik) und wurde auch zeitweise nach Peenemünde zur Untersuchung von Radarstörern (Düppeln) abkommandiert.

Die Hochfrequenztechnik war nun Teil der beiden zentralen Fächer der Fernmeldetechnik und umfasste die Röhren-, Verstärker-, Sende- und Empfangstechnik, sowie Modulation, Demodulation und Trägerfrequenztechnik, Strahlung, Wellenausbreitung, Peilwesen, Fernsehen, Funkmesstechnik und eine ''Anlagenkunde'' der Hochfrequenztechnik.

Nach dem Krieg musste auch Größer sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen, konnte seine Tätigkeit aber nach der Revision seiner Einstufung 1950 wieder aufnehmen. 1959 wurde er zum Ordentlichen Professor für ''Theoretische Elektrotechnik'' ernannt und emeritierte 1960. Zur Abdeckung der Ausfälle wurden mehrere Lehraufträge im HF-Bereich erteilt: Wilhelm Janowski vertrat das Extraordinat ''Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik'' für die Zeit der Abwesenheit von Größer, Alfons Hersping erhielt einen Lehrauftrag für ''Hochfrequenztechnik und Röhren'' und Abraham Esau einen Lehrauftrag ''Kurzwellentechnik'', den er bis 1955 versah.

Die Gründung des Instituts für Hochfrequenztechnik

Urkunde Grundsteinlegung

Die Elektrotechnik war nun eine Abteilung in der Fakultät für Maschinenwesen. 1950 wurde das Extraordinat ''Elektrische Nachrichtentechnik einschließlich Hochfrequenztechnik'' in ein Ordinat ''Hochfrequenztechnik'' umgewandelt. Die Besetzung durch Herbert Döring erfolgte zum 21.1.1952. Dieses Datum kann man somit als Beginn des Instituts ansehen.

Die ersten Räumlichkeiten wurden Döring im Rogowski-Gebäude zugewiesen, da hier schon traditionell die Elektrotechnik zuhause war. Nachdem Rogowski 1947 plötzlich gestorben war, wurde dort sein ehemaliger Assistent Flegler zu seinem Nachfolger berufen.- Mitte 1953 fand der erste Umzug des Lehrstuhls und Instituts für Hochfrequenztechnik in das Bergbaugebäude in der Wüllnerstraße statt. Gleichzeitig begannen die ersten Planungen zu einem neuen Institutgebäude für die Elektrische Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik auf dem Königshügel, in dem ehemaligen Garten der Villa Lammertz, die heute das Gästehaus der RWTH beherbergt. Die exponierte Lage wurde mit der Forderung der Antennemesstechnik nach freier Wellenausbreitung begründet. Grundsteinlegung war am 7.5.1954. Ein Foto von der Urkunde befindet sich in der Bibliothek des IHF. Im Juli 1956 konnte das neue Gebäude bezogen werden.

Die nun kommende Zeit kann in die drei Zeiträume der Institutsdirektoren

Herbert Döring1952 bis 1980
Hans Jürgen Schmitt1980 bis 1996
Bernhard Rembold1996 bis 2008

gegliedert werden

Eine sehr lebendige Darstellung der Institutsarbeit in diesen Jahren (bis 2001) findet man in der Festschrift [2], und zwar in dem Vortrag von H.J. Schmitt ''IHF - Fast 50 Jahre''. Schmitt beschreibt hier die Forschungstätigkeit in den einzelnen Zeiträumen, getragen durch die aktuellen Themen, die die Hochfrequenztechnik bewegte.